Somaliland-Handbuch – Teil 2

Dies ist der zweite Teil einer dreiteiligen Serie von meinem Kollegen und Gastautoren Konstantin Flemig. Teil 1 kann HIER gelesen werden.

Geld:

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Stände von Geldwechslern in Hargeisa © Konstantin Flemig

Der mit Abstand deutlichste Indikator für das Level der Sicherheit, die in Somaliland Hauptstadt Hargeisa herrscht, sind die Geldwechsler. Mit plakativ zur Schau gestellten Langeweile lümmeln diese am Straßenrand, vor ihnen regelrechte Gebirge aus mal mehr, mal weniger abgenutzten Banknoten. Keine Security, keine Waffen weit und breit. Der Großteil der Bevölkerung der Region gehört der Clanfamilie der Isaaq an. Dieses enge soziale Gefüge sorgt dafür, dass Kriminalität untereinander extrem selten vorkommt. (Auch Terroristen haben es dadurch schwer, Fuß in Somaliland zu fassen: Selbst wenn sie ebenfalls der Volksgruppe der Somali angehörten, im komplexen Familiengeflecht vor Ort würden sie sofort als Außenseiter auffallen.)

Der Somaliland Schilling ist zwar kaum etwas wert (der aktuelle Kurs zum Euro beträgt etwa 7.000 zu 1), doch die schiere Menge der Scheinbündel sorgt dafür, dass der Wert der zur Schau gestellten „Ware“ dennoch beachtlich ist. Investiert ein Einwohner Somalilands eine größere Summe, so tut er das aus praktischen Gründen oft lieber in Dollar. Doch wenn es nicht anders geht, wird das neue Auto eben mit einer oder zwei Schubkarrenladungen Somaliland Schilling bezahlt – was gar kein seltener Anblick in Hargeisa ist.

Tiere:

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Kamelmarkt in Somaliland © Konstantin Flemig

Das Wappen Somalilands zeigt einen Adler, der auf seine Kopf eine Waage balanciert. Wäre man ehrlich gewesen, es müsste eine Ziege sein.

Ich möchte noch einmal eindrücklich darauf hinweisen, dass ich nicht das erste Mal im Nahen Osten oder Afrika unterwegs bin. Doch die Anzahl an Ziegen, die ich in Somaliland antraf, habe ich nirgends auch nur ansatzweise erlebt. An jeder Ecke, an jedem Strauch steht eines (oder fünf) der Tiere und knabbern an der knorrigen Vegetation – oder am ebenfalls omnipräsenten Müll.

Das andere bedeutende Tier Somalilands ist das Kamel. Es heißt, dass die Hälfte der Kamele des Planeten in Somalia leben. Ob das stimmt kann ich nicht bestätigen. Was ich bestätigen kann ist, dass die Viecher aus der Nähe ziemlich imposant wirken, besonders, wenn ein- oder zweihundert von ihnen auf einem Fleck stehen und sich ab und an Kämpfe liefern, bei denen der Sabber meterweit spritzt (hautnah zu erleben auf dem riesigen Kamelmarkt am Rande der Stadt).

Kamele sind, wie Ziegen auch, ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Somaliland. Die meisten Exporte gehen nach Saudi-Arabien, und ein gesundes Tier kann Preise von über 1.000 US-Dollar erreichen. Zum Vergleich: Eine Ziege bringt etwa 50 Dollar.

Als Vegetarier kam ich leider/glücklicherweise um die Erfahrung herum, Kamelfleisch zu probieren. Nach allem, was ich bisher gehört habe, ist dies kein großer Verlust.

Die Brüste der Jungfrau:

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Foto von 1896 von “The Field Museum Library”, creative common

Das Wahrzeichen Hargeisas: Zwei Zwillingsberge, die aussehen wie… nun ja. Man merkt, dass die meisten geografischen Ortsnamen von Männern erdacht wurden.

 

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